Einerseits war der Sonntag sehr schön weil ich mit einem Menschen zusammen war, der mir zusehends immer mehr bedeutet. Andererseits sorgte es auch für Verwirrung meiner eigenen Gefühle.
Am Morgen fuhr ich mit dem Besuch kurz hinüber zu dem kleinen Supermarkt meines Vertrauens, der am Sonntagmorgen geöffnet hat. Es war Brezel Sonntag, wir kauften eine gewaltige gefüllte Brezel und frühstücken ausgiebig bei mir zu Hause. Gegen Mittag verabschiedete ich den Besuch.
Dann überfiel mich eine bleierne Müdigkeit, die ich die ganzen Tage davor nicht gespürt hatte. Draußen war strahlendes Wetter, doch ich hatte nicht die geringste Lust, um irgendetwas draußen zu tun. Ich war sogar kurz davor, die Verabredung für den Abend abzusagen, doch ich rappelte mich dann doch auf, und ging mit der D ins Kino.
Auf dem Programm stand der Abschlussfilm des Filmfestivals, der auch schon auf der Berlinale lief. Rosebush Pruning. Das sehr adaptierte Remake des Films von 1965, Fists in the Pocket, von Marco Bellocchio. Er wurde oft als Vorläufer der Studentenproteste der späten 1960er Jahre angesehen, was die gesellschaftlichen Spannungen der Zeit widerspiegelt.
Hier ist es die Geschichte einer heutigen dysfunktionalen Familie. Wenn die Thematik in den sechziger Jahren vielleicht von Belang war, so ist Rosebush Pruning von Karim Aïnouz, keine Komödie, wie uns eingangs gesagt wurde, sondern eine Aneinanderreihung von Klischees, wie sich Otto Normalverbraucher heute eine steinreiche amerikanische Familie vorstellt, mit sämtlichen Dysfunktionen, die man sich nur vorstellen kann. Vom unsäglichen Oberflächlichkeiten bis zu inzestuösem Missbrauch. Auch von den sexuellen Ausrichtungen ist alles vertreten. Dabei hatte Aïnouz hier richtig gute SchauspielerInnen an der Hand, die ihr Bestes gaben, doch die Geschichte ist jämmerlich und abstoßend. Ein Film, den die Welt wirklich nicht gebraucht hat; er fühlt sich altmodisch und überlebt an.


























































































